Inspiriert von der Ästhetik des späten Ray Charles
Wer bislang der Meinung war, dass der Saxofonist David Sanborn die wahren Jazzfreunde nicht mehr richtig bediene, wird mit seinem neuen Album eines Besseren belehrt. Schon lange hat man ihn nicht mehr so superb swingend erlebt, wie bei seiner neuerlichen Beschäftigung mit dem Spätwerk von Ray Charles. 'Only Everything', so der Albumtitel, markiert nicht nur das Motto des künstlerischen Schaffens von Charles, sondern auch von Sanborn, der sich mit Verve dem Rhythm'n'Blues der 2004 verstorbenen Musikerlegende hingibt. Hammond-B3-Virtuose Joey Defrancesco und Drummer Steve Gadd geben der von Sanborn komponierten Titelballade die nötige Tiefe und genau das richtige Quantum Gefühl. Und mit viel Gefühl swingt sich auch Sängerin Joss Stone durch "Let The Good Times Roll", während James Taylor mit "Hallelujah, I Love Her So" eine sehr effektvolle Version des Ray-Charles-Klassikers abliefert. Mit dem Eröffnungssong des Albums, "The Peeper", ehrt David Sanborn den Charles-Saxofonisten Hank Crawford. Für Sanborn ist es ein Grundpfeiler des Albums: "Ich war siebzehn Jahre alt, als ich 'The Peeper' auf Hanks Album 'From The Heart' entdeckte. Ich liebte das Album so sehr, dass ich es mit ins Bett nahm und unter meinem Kopfkissen versteckte." Abgerundet wird das zeitlos schöne und wundervoll groovende Album mit Harold Arlens sinnlich und verführerisch erklingendem "Blues In The Night".